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Nachhaltigkeit

Obst und Gemüse aus der Region

Bei manchen Berufen möchte man glatt neidisch werden. Apfelbauer am Bodensee etwa: Während der Erntezeit in der Herbstsonne Äpfel pflücken, aber sonst nicht viel tun, außer den Früchten beim Wachsen zuzuschauen und den Blick über den funkelnden See auf die Alpen zu genießen. Die Wirklichkeit sieht natürlich ganz anders aus. Apfelbäume wollen gepflegt werden, bestätigt Thomas Löhle, dessen Hof in Gebhardsweiler oberhalb von Salem am nordwestlichen Ufer des Sees liegt und sich seit Generationen im Besitz der Familie befindet. Auf siebenundvierzig Hektar gibt es rund ums Jahr alle Hände voll zu tun, um leuchtende, duftende Äpfel ernten zu können. Über den Winter bis zur Blüte im April müssen die Bäume geschnitten und neue gepflanzt werden, außerdem sind die Netze zum Schutz vor Hagel auszubessern. Im Sommer geht es ans Ausdünnen: Zu viele Äpfel beeinträchtigen das Ergebnis im Herbst. Die Ernte beginnt mit den ersten frühen Sorten Mitte August und zieht sich bis Ende Oktober oder sogar in den November. Dabei wird jeder Apfel mit der Hand gepflückt und behutsam in große Kisten gelegt, damit die dunkelroten Red Delicious, die farbfrohen Elstar oder die rotfleischigen Red Moon keine Druckstellen bekommen.

Genau wie beim Wein prägt der Bodensee auch das Obst. Denn der glitzert nicht nur, er fungiert im Herbst auch als Wärmespeicher und ermöglicht dadurch den Anbau spätreifender Sorten. Die Lage auf vierhundert Metern über dem Meeresspiegel sorgt für kühle Nächte und warme Tage.

Bei dem nur wenige Kilometer entfernten Großmarkt SalemFrucht geht es beim Sortieren und Verpacken ebenso sorgfältig zu. Das Unternehmen ist 2001 aus einem Zusammenschluss dreier alteingesessener privater Obstgroßmärkte der Region entstanden, um Kapazitäten zu bündeln und in moderne Technik investieren zu können. Rund zweihundert Obstbauern stehen hier unter Vertrag, die neben Äpfeln auch Birnen, Zwetschgen, Brombeeren und Himbeeren liefern. Sämtlich aus integriertem Anbau.

Ortswechsel. Es geht zu Armin Kreiselmaier. Der Pfälzer Gemüsebauer umsorgt und beackert zweihundertzwanzig Hektar in Ruchheim zwischen Ludwigshafen und Bad Dürkheim. Bei ihm wachsen Kartoffeln, Kohlrabi, Fenchel, Staudensellerie, Zucchini, Landgurken, Brokkoli, Spargel, Salatherzen, Kürbisse – und Melonen! „Ich war schon immer risiko- und experimentierfreudig“, sagt der lebhafte Mittvierziger. Auf die Melonen sei er über die wärmeliebenden Zucchini gekommen, mit denen er vor acht Jahren begann. Mit Erfolg: „Wir sind hier sowohl das größte zusammenhängende Gemüseanbaugebiet Deutschlands als auch Frühanbaugebiet, sozusagen die Toskana Deutschlands!“ Und da die ersten Felder mit biologisch abbaubarer Folie geschützt werden, sind diese heimischen Zucchini schon im Frühsommer zu genießen.

Angesichts seiner prächtig gedeihenden Zucchini dachte sich der ideenreiche Bauer: Warum nicht mal Melonen? Auch dieses deutlich riskantere Experiment gelang. Seit sechs Jahren erzeugt Armin Kreiselmaier Galia-, Charentais-, Honig- und Wassermelonen, auf mittlerweile fünfundzwanzig Hektar. Damit Melonen so richtig duften und saftig sind, müssen sie so reif wie möglich geerntet und innerhalb von drei Tagen gegessen werden – da ist die Pfalz klar im Vorteil gegenüber den langen Transportwegen von Spanien und Frankreich. Dass er seit der Übernahme des Betriebs von den Eltern im Jahr 2008 konsequent alles auf Bio umgestellt hat, macht es nicht unbedingt einfacher, steht aber nicht zur Diskussion. „Es ist eine große Freude zu beobachten, dass doch viele mittlerweile bewusster einkaufen und die Biowelle mittragen!“

Fotografen: Alex Habermehl, Arne Landwehr