Pharisäer Kaffee – Das nordfriesische Heißgetränk

Eine Pharisäer Kaffee ist eine deutsche Heißgetränkespezialität mit Alkohol. Die Kaffeevariation stammt ursprünglich aus Nordfriesland und gilt dort noch heute als Nationalgetränk.

1. Was ist ein Pharisäer Kaffee?

Ein Pharisäer ist im Prinzip ein heißer Kaffee mit Rum und geschlagener Sahne, womit er dem Irish Coffee ähnelt. Seinen Ursprung hat das Getränk in Deutschland, genauer gesagt im nordischen Friesland. Aufgrund seiner wärmenden Wirkung wird die Kaffeespezialität bevorzugt bei nassem und kaltem Wetter getrunken. Für den belebenden Effekt ist die Mischung aus Koffein und Alkohol verantwortlich.

Pharisäer Kaffee in Tasse
Auf dem ersten Blick nicht als alkoholisches Getränk erkennbar: der Pharisäer Kaffee, heißer Kaffee mit Rum

2. Zubereitung eines Pharisäer Kaffees: Rezept

Es gibt kein allgemeingültiges Rezept für die Zubereitung eines Pharisäer Kaffeegetränks, da jeder Nordfriese ihn auf seine eigene Weise und häufig sogar nach einem geheimen Familienrezept zubereitet. Lediglich in Gaststätten wurde sich auf eine Variation festgelegt, sodass der Gast immer genau weiß, was er bekommt.

2.1 Zutaten

Für einen echten Pharisäer Kaffee werden die folgenden Zutaten benötigt:

  • Eine Tasse starken Kaffee (200 ml, handgebrüht)
  • 2 Stücke Würfelzucker
  • 4 cl brauner Rum (gute Qualität, mindestens 42 Vol.%)
  • Schlagsahne (frisch aufgeschlagen, ungesüßt)
  • Kakaopulver zur Dekoration

Auf weitere Zutaten und Zusatzstoffe wie Zuckersirup oder Milch verzichtet der Friese bei der Zubereitung eines originalen Pharisäer Kaffees.

Wie viel Rum macht man in einen echten Pharisäer?

Der Rumanteil in einem Pharisäer Kaffee ist abhängig vom persönlichen Geschmack, gemeinhin werden jedoch vier Zentiliter (4 cl = 40 ml) Rum für die Zubereitung in Gaststätten und Bars verwendet. Ein Gerichturteil aus den achtziger Jahren legte zudem fest, dass ein als Pharisäer angepriesenes Getränk nach Originalrezept mangelhaft ist, wenn es stattdessen nur zwei Zentiliter Rum enthält. Auch Variationen mit Weinbrand entsprechen nicht dem originalen Pharisäer Kaffee.

2.2 Anleitung

Für die Zubereitung eines Pharisäer Kaffees nach Nordfriesischer Art, gehen Sie am besten folgendermaßen vor:

  1. Schlagen Sie zunächst etwas Sahne mit einem Handrührgerät steif. Für einen originalen Pharisäer Kaffee wird immer frische und ungesüßte Sahne verwendet, da fertige Sprühsahne zu viele Zusatzstoffe enthält und damit den Geschmack verfälscht.
  2. Wärmen Sie sowohl die Tasse als auch die vier Zentiliter Rum an, am besten gelingt das in der Mikrowelle.
  3. Parallel dazu sollte der Kaffee aufgebrüht werden. Verwenden Sie eine kräftige Röstung und nehmen Sie mehr Kaffeepulver pro Tasse als üblich, da der Kaffee besonders stark sein muss. Ein Pharisäer Kaffee gilt nur dann als Original, wenn der Kaffee von Hand aufgebrüht wurde, beispielsweise mit einem Porzellanfilter. Alternativ dazu können Sie Filterkaffee kochen.
  4. Geben Sie nun die zwei Würfelzucker in die Tasse und gießen Sie den warmen Rum darüber.
  5. Im letzten Schritt wird die Tasse mit dem Kaffee aufgefüllt und mit der Sahnehaube bedeckt. Wer möchte, kann Kakao- oder Schokoladenpulver als Dekoration darüber streuen. Anschließend wird das Kaffeegetränk serviert.
Übrigens: Ein echtes Pharisäer Kaffeegetränk darf auf keinen Fall umgerührt oder mit einem Strohhalm getrunken werden, sondern wird üblicherweise in kleinen Schlucken getrunken beziehungsweise geschlürft. Auch das Nachsüßen mit zusätzlichem Zucker oder das Hinzugeben von Milch gilt unter Nordfriesen als verpönt.

3. Herkunft und Entstehungsgeschichte

Irish Coffee
Kaffee mit Rum und Schlagsahne: Manchmal wird ein Pharisäer Kaffee auch in einem Glas serviert

Der Legende nach wurde der Pharisäer Kaffee im Zusammenhang mit einer festlichen Taufe im Jahr 1872 auf dem Hof der Familie Johannsen auf Nordstrand erstmals zubereitet: Der Pastor hatte der Kirchengemeinde den Alkoholkonsum untersagt, sodass die Dorfbewohner auf dem Fest zu einer List griffen. In klassischen Kaffeetassen mischten sie Kaffee mit Rum und verzierten es mit Sahne, sodass der Geruch des Alkohols nicht bemerkbar war. Lediglich der Pastor bekam einen herkömmlichen Kaffee mit Sahnehaube, wurde jedoch durch die zunehmende Fröhlichkeit der anderen Gäste misstrauisch. Als er dann den Trick der Gäste von Johannsen bemerkte, soll er laut „Nun weiß ich aber Bescheid, ihr Pharisäer!“ ausgerufen haben, sodass das Getränk anschließend auf den Namen Pharisäer getauft wurde.

Nordfriesen besitzen kein spezielles Geschirr für das Servieren eines Pharisäers, obwohl das Heißgetränk in touristischen Regionen in einer hohen Tasse oder Glas mit Fuß serviert wird. Allerdings gilt diese Art des Servierens nicht als Original, da so der Pfarrer den Betrug mit Sicherheit sofort bemerkt hätte. Deswegen wird der Pharisäer Kaffee auch heute noch – im Gegensatz zum Irish Coffee – nicht in einem durchsichtigen Glas, sondern in einer herkömmlichen Tee- oder Kaffeetasse serviert.

Woher hat der Pharisäer Kaffee seinen Namen?

Vor etwa 2000 Jahren waren die Pharisäer eine theologische Gruppierung, die sich laut Neuem Testament anderen Personen überlegen fühlten, hohe ethnische Ansprüche stellten, aber sich nicht selbst an diese gehalten haben. Deswegen wird auch heute noch ein Mensch mit einer selbstgerechten Doppelmoral beziehungsweise heuchlerischen Absichten als solcher beschimpft. Auch der Pastor bezeichnete die Dorfbewohner als Pharisäer, als er den Betrug seiner Gemeinde mit der alkoholischen Kaffeezubereitung aufdeckte.

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Redakteurin Miriam Gebbing
Redaktionshinweise
Redaktion: Miriam Gebbing

Nach ihrem Bachelor-Abschluss absolvierte Miriam Gebbing ein halbjähriges Praktikum in der Online-Redaktion und war anschließend während ihres Master-Studiums in den Bereichen Literatur sowie Sprach- und Kommunikationswissenschaft als Werkstudentin tätig. Seit September 2017 ist sie fester Teil des Teams.