Urban Gardening: Gemüseanbau in der Stadt

Einen Topf auf der Fensterbank, einen Kasten auf dem Balkon, einen kleiner Vorgarten – mehr braucht ein städtischer Gemüsebauer nicht. Wo früher nur Stiefmütterchen und Begonien wuchsen, winkt heute immer öfter reiche Ernte. Erbsen, Bohnen, Tomaten und Salat brauchen gar nicht viel Platz. Zwar muss man ein bisschen warten, bis aus wenigen kleinen Saatkörnchen eine gesunde Mahlzeit entsteht – aber dafür ist sie ganz frisch und ganz allein großgezogen. Mit unseren Tipps gelingt das städtische Gärtnern auch Anfängern. Probieren Sie es aus!

Platz ist auf dem kleinsten Beet

Urban Gardening, das Gärtnern in der Stadt, begeistert immer mehr Menschen - und zwar längst nicht mehr nur ältere Leute. Seinen Ursprung hatte der Trend als soziales Projekt in New York. Inzwischen gibt es in vielen Großstädten weltweit Menschen, die mitten in der Stadt Gemüsegärten anlegen. Manche gärtnern in der Gruppe, andere für sich allein im Hinterhof, auf Dachterrassen oder Balkons. Allen gemeinsam ist der Wunsch, etwas Landleben in graue Betonwüsten und Steinöden zu bringen. Viel Platz für große Beete gibt es zwischen breiten Straßen und hohen Mauern meistens nicht: Also müssen Stadtgärtner jedes bisschen Erde sinnvoll nutzen. Natürlich angepasst sind hier Kletterpflanzen: Sie wachsen einfach nach oben.

In die Höhe klettern lassen

Es reicht ein Gitter oder ein Regenrohr als Stütze, schon kann es losgehen. Stangenbohnen zum Beispiel werden oft drei bis vier Meter hoch. Viele von ihnen bieten neben dem grünen Gemüse auch noch etwas fürs Auge. Feuerbohnen zum Beispiel haben sehr hübsche orangefarbene Blüten. Ein attraktiver Sichtschutz, wenn man sie an einem offenen Balkongitter entlangranken lässt.

Rankende Salatgurken oder kleine Kürbisse eignen sich dafür ebenfalls gut. Die leckeren Zuckerschoten kann man zwischendurch wegnaschen. Auch geeignet ist Kapuzinerkresse: Sie wächst schnell und hat viele bunte Blüten, die man, wie auch die Blätter, in Salaten verwenden kann. Als besonderen Clou kann man ihre Blütenknospen auch wie Kapern sauer einlegen.

Was wächst denn hier so?

Je nach Erdmenge und Platz wächst in der Stadt so gut wie alles – man muss es nur aussäen oder anpflanzen: Kartoffeln in einer alten Badewanne auf dem Hof, Möhren im Vorgarten, Erbsen auf dem schmalen Streifen am Zaun. Versuchen Sie Ihr Glück, Sie werden staunen! Vorgezogene Setzlinge sind für Anfänger oft einfacher zu handhaben. Doch es ist auch nicht schwierig, Gemüse in Kästen selbst vorzuziehen. Dann allerdings muss man dafür sorgen, dass die kleinen Pflänzchen später auch genug Platz bekommen. Wer keinen Balkon oder Garten hat und dennoch „im großen Stil“ gärtnern möchte, kann nach Projekten zum Thema Urban Gardening in seiner Stadt suchen. Viele Städte bieten bereits Flächen zum Gärtnern und selber Ernten an, teilweise auch mit Unterstützung durch professionelle Gärtner.

Unordnung erlaubt: idealer Pflanzenmix

Pflanzen Sie ruhig alles durcheinander, viele Pflanzen mögen das. Zu den hängenden Monatserdbeeren stecken Sie einige Knoblauchzehen. Das sieht gut aus und hält Schädlinge ab. Neben eine Kartoffel passt duftende Kamille. So wächst die Knolle besser und es gibt noch einen schönen Kamillentee dazu. Auch Zwiebeln und Möhren sind gute Freunde, weil sie gegenseitig Schädlinge abhalten.

Dick, rot und süß: Tomaten

Selbst wenn Sie nur wenig Platz auf der Fensterbank haben: Eine Tomate geht immer. Man muss nur entscheiden, ob es eine große Fleischtomate oder lieber kleine Naschfrüchte sein sollen. Je nach Standort stehen große ausladende oder buschig wachsende, kleine Pflanzen zur Wahl. Wichtig bei allen: Die Tomaten brauchen viel Wasser, wobei die Blätter beim Gießen nicht nass werden sollen.

Kräuter: praktisch und duftend

Schon in einigen kleinen Töpfchen finden viele verschiedene Kräuter Platz, am liebsten in der Sonne. Wenige duftende Blättchen reichen, um einer Mahlzeit ein besonderes Aroma zu geben. Besonders hart im Nehmen sind Thymian und Rosmarin: Sie überstehen auch mal eine heiße Trockenperiode. Schnittlauch kommt genau wie Majoran jedes Jahr wieder, wenn man ihn über den Winter einfach draußen stehen lässt. Petersilie braucht eine Weile, bis die Saat keimt. Wer nicht warten möchte, kann auch gekaufte Kräutertöpfchen nach draußen pflanzen. Basilikum dagegen gedeiht auf der Fensterbank oder im Freien besser, wenn man ihn selbst gezogen hat. Das dauert zwar eine Weile, aber die Blätter werden dann aromatischer und robuster. Ein guter Tipp für den Schatten ist Koriander: Die zarten Blättchen mögen keine direkte Sonne. Sie geben asiatischen Gerichten ein einzigartiges Aroma.

Grüner Schattenliebhaber: Salat

Die Häuser sind hoch und die Sonne fällt nur selten auf Ihr Stadtbeet? Dann säen Sie am besten Salat. Besonders Pflücksalat aber auch große Köpfe fühlen sich im Schatten wohl, so lange es dort nicht zu trocken ist. Auch im Balkonkasten wächst eine Reihe Salat sehr gut. Großer Vorteil der Stadtlage: Vor Schneckenplagen sind Sie hier meist sicher. Aber achten Sie auf Tauben, denn die lieben das frische Grün sehr.

Wichtige Tipps zum Urban Gardening:

  • Gießen nicht vergessen! Gerade in kleinen Gefäßen trocknet Erde schnell aus, Regen reicht da nicht. Wässern Sie lieber morgens oder abends.
  • Auch Pflanzen müssen essen: Für eine reiche Ernte, brauchen die Pflanzen Nahrung. Praktisch sind Langzeitdünger, die gleich zu Beginn der Saison in die Blumenerde gemischt werden.
  • Zum Pflanzen eignen sich am besten Gefäße aus Plastik, glasiertem Ton oder Holz (mit Plastikfolie auskleiden). Metalltöpfe und -kästen werden in der Sonne zu heiß. Aus reinen Tontöpfen verdunstet das Wasser zu schnell.
  • Nicht zu groß denken: Wer auf dem Balkon oder der Dachterrasse pflanzt, sollte die Töpfe noch tragen können. Rollende Untersetzer sind gute Helfer.
  • Mulch als Schutz: Die Wurzeln der Pflanzen mögen Schutz vor Wind und Sonne. Sorgen Sie für eine Mulchdecke rund um die Pflanzen. Das können kleine Kiesel, Reisig, trockene Blätter oder auch fertiger Rindenmulch sein.
  • Halt geben: Je höher am Haus, desto besser müssen Sie Ihren Garten sichern. Balkonkästen lieber nach innen hängen, rankende Pflanzen gut festbinden, falls einmal heftige Windböen kommen.