Wie wirkt Yoga auf die Gesundheit?

Schon vor 2.400 Jahren tauchte der Begriff „Yoga“ in alten Sanskrit-Schriften auf. Der Mix aus körperlichen Übungen, Atemtechnik und Meditation diente ursprünglich als spiritueller Weg zur Erleuchtung. Heute verbinden wir jedoch viel weltlichere Hoffnungen mit der uralten Technik. Sie soll Ruhe bringen und Stress reduzieren, unsere Konzentration und das Wohlbefinden verbessern. Angeblich stärkt Yoga sogar das Immunsystem und schützt vor Demenz. Selbst gegen Krankheiten und Übergewicht führen manche Yogatherapie ins Feld. Was kann Yoga tatsächlich und wie wirkt es? Und was sollte man beachten, damit Yoga rundum gut tut?

Yoga-Forschung: immer bessere Daten

Je populärer Yoga weltweit wird, desto mehr wird an seinen Wirkungen geforscht. Das gestaltet sich allerdings nicht einfach, denn Yoga ist eine komplexe Mischung aus Meditation, Atemtechnik (Pranayama) und körperlichen Übungen (Asanas). Wegen der Vielfalt verschiedener Yoga-Formen lassen sich Studien oft nur schwer vergleichen. Häufig werden die Versuche auch mit zu wenigen Teilnehmern oder nicht lange genug durchgeführt, um aussagekräftige Ergebnisse zu liefern.

Doch einige gute Studien sowie die große Menge an Forschungsarbeiten geben immer bessere Hinweise, wie Yoga wirkt. Wir fassen einige Wirkungen des Yoga zusammen, die in Studien belegt oder zumindest als recht wahrscheinlich angesehen werden. Bleibt zu hoffen, dass die Wissenschaft in Zukunft noch verlässlicher sagen kann, wie Yoga genau wirkt. Bis dahin sollten wir in Yoga weniger ein Allheilmittel sehen als eine angenehme Technik, die Körper und Seele gut tut und nebenbei vielleicht auch positiv auf die Gesundheit wirkt.

Fitness und Körperbewusstsein

Unbestritten ist, dass Yogaübungen die körperliche Fitness verbessern. Muskeln werden trainiert, aber auch gedehnt und entspannt. Bänder und Bindegewebe bleiben geschmeidig, Herz und Kreislauf kommen in Schwung. In dieser Hinsicht wirken Yogaübungen ähnlich wie andere Formen von Bewegung und Sport.

Da Yogis ihre Übungen sehr achtsam ausführen und durch Meditation und Atemtechniken ergänzen, entwickeln sie meist ein besseres Körperbewusstsein. Und das stärkt oft auch das Selbstbewusstsein, wie z. B. eine Studie an Brustkrebspatientinnen gezeigt hat.

Besser schlafen

Wenn Yoga beruhigt und Stress reduziert, erscheint es kaum verwunderlich, dass Yogis auch besser schlafen. Zumindest zeigten einzelne Studien, dass diejenigen, die  einige Wochen Yoga praktiziert hatten, schneller einschlafen konnten und länger schliefen. Eine aktuelle Untersuchung an Frauen während und nach den Wechseljahren ergab, dass die Yoga-Frauen ihren Schlaf als erholsamer empfanden.

Weniger Stress, bessere Konzentration

Insbesondere die Atemübungen sowie die Meditation im Yoga wirken sehr beruhigend. Studien ergaben, dass Yoga die Aufmerksamkeit und Konzentration steigert. Entsprechend erhöhte sich in manchen Untersuchungen auch die geistige Leistungsfähigkeit. Yogis haben ihre Gefühle besser unter Kontrolle und gewinnen innere Stabilität. Dadurch können sie mit Stress besser umgehen. So fanden Wissenschaftler bei Menschen, die Yoga praktizieren weniger von dem Stresshormon Cortisol. Zugleich berichten viele Studienteilnehmer von einem besseren Lebensgefühl und mehr Wohlbefinden.

Weniger Rücken- und Nackenschmerzen

Gleich mehrere aussagekräftige Studien fanden heraus, dass regelmäßige Yoga-Übungen Rücken- und Nackenschmerzen erheblich lindern konnten. Ein Großteil der Teilnehmer konnte anschließend auf Schmerzmittel verzichten. Der positive Effekt von Yoga übertraf sogar die Wirkung von Rückenschule und Sport.

Zusätzlich deuten einige Studien darauf hin, dass geübte Yogis  generell weniger Schmerzen empfinden.

Blutdruck und Blutfettwerte senken

Viele Yoga-Forscher glauben, dass Yoga Prozesse im Körper wieder ins Gleichgewicht bringen kann und den Körper zur Selbstheilung anregt. Wie das genau funktioniert, verstehen die Forscher allerdings noch nicht. Aber im Ergebnis konnte Yoga in einigen Untersuchungen an Bluthochdruck-Patienten den Blutdruck deutlich senken. Andere Studien fanden einen Zusammenhang mit den Blutfettwerten: erhöhte Cholesterinwerte ließen sich dort durch Yoga verbessern.

Depressionen und Migräne lindern

Bei Kopfschmerzen, Migräne und Depressionen könnte Yoga ebenfalls hilfreich sein. Zwar fehlen hier noch belastbare Studien, doch es gibt ein paar viel versprechende Ergebnisse. Da Yoga beruhigt, Stress mindert und das Wohlbefinden erhöht, erscheint es naheliegend, dass es Kopfschmerzen, Migräne und Depressionen lindern kann. Bei einzelnen Untersuchungen an Frauen mit Brustkrebs oder traumatisierten Soldaten konnte Yoga Stimmungsschwankungen und Depressionen nachweislich reduzieren. Zugleich stellten Forscher fest, dass im Körper langjähriger Yogis mehr von dem beruhigenden Botenstoff Gamma-Aminobuttersäure produziert wird.

Bessere Immunabwehr und weitere Wirkungen

Auch die Immunabwehr profitiert möglicherweise vom Yoga. Laut einzelnen Studien produzierten die Körper der Teilnehmer nach einigen Wochen Yoga-Praxis mehr Immun-Eiweiße. Zugleich wurden die Botenstoffe für Entzündungen reduziert. Darüber hinaus wird an zahlreichen weiteren Wirkungen von Yoga geforscht. Zum Beispiel soll Yoga die Zellalterung verlangsamen und so vor Demenz schützen. Auch bei Reizdarm, Übergewicht, und Typ-2-Diabetes bis hin zu schweren Erkrankungen wie Aids und Krebs hofft man auf eine positive Wirkung von Yoga. Handfeste Beweise fehlen jedoch noch.

Darauf sollten Sie beim Yoga achten:

  • Lernen Sie Yoga unbedingt unter Anleitung eines qualifizierten Lehrers.
  • Üben Sie Yoga regelmäßig. Achten Sie dabei auf korrekte Technik.
  • Bei Yogaübungen darf es durchaus ein wenig ziehen, doch wenn Schmerzen auftreten, die Dehnung etwas nachlassen oder die Übung beenden.
  • Gehen Sie sanft mit Ihrem Körper um und zügeln Sie Ihren Ehrgeiz. Yoga ist kein akrobatischer Wettbewerb, sondern soll dem Körper gut tun. Bei Bedarf lieber Hilfsmittel verwenden.
  • Bei Bluthochdruck oder erhöhtem Augeninnendruck auf Übungen verzichten, bei denen der Kopf tief steht.