Kennzeichnung von Lebensmitteln: Was ist neu?

Kennzeichnung von Lebensmitteln

Ärgern Sie sich beim Einkauf auch oft über die Angaben auf den Lebensmittelverpackungen – etwa weil Informationen fehlen, zu klein oder unübersichtlich sind? Dann sind Sie nicht allein: laut ak-tuellen Umfragen geht es rund 80% aller Kunden ähnlich. Viele Deutsche schauen beim Einkauf regelmäßig auf das Etikett, um sich über Zutaten und Nährwerte zu informieren. Doch kaum einer versteht, was genau auf der Verpackung steht. So wissen viele beispielsweise nicht, ob ein Produkt gesund ist oder ob es für Al-lergiker geeignet ist. Zudem bemängeln viele, dass Informationen fehlen und das Etikett unübersichtlich ist. Doch das soll sich ändern. Ab Ende des Jahres sorgt ein neues Gesetz der Europäischen Union dafür, dass Verbraucher umfangreichere und deutlichere Informationen auf den Verpackungen von Lebensmitteln finden. Lesen Sie hier, was sich dadurch genau ändert.

Hintergrund: neue europäische Verordnung

Bisher wurde die Kennzeichnung von Lebensmitteln in Deutschland durch die sogenannte Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung geregelt - eine nationale Verordnung. Ab 2014 ändert sich dies jedoch, denn ab diesem Jahr legt die Europäische Union fest wie Lebensmittel gekennzeichnet werden. Das hierfür geltende Recht ist die „Lebensmittelinformationsverordnung“(LMIV). Sie wurde 2011 vom Europäischen Parlament verabschiedet und gilt ab dem 13. Dezember 2014 für alle Mitgliedstaaten der EU. Alle nationalen Verordnungen werden durch die LMIV abgelöst. Somit wird die Kennzeichnung von Lebensmitteln in ganz Europa einheitlich.

Verpflichtende Nährwertangaben

Die Angabe wie viel Kalorien, Fett, Kohlenhydrate oder gar Salz ein Lebensmittel enthält, war bislang weitestgehend freiwillig. Dies ändert sich nun. Durch die LMIV wird die sogenannte Nährwert-kennzeichnung auf allen Lebensmittelverpackungen bis spätestens 13. Dezember 2016 verpflichtend.

Zu den Pflichtangaben zählen die sogenannten „Big 7“: Energie-gehalt, Fettgehalt, Anteil an gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydrat-gehalt, Zuckergehalt, Eiweißgehalt und Salzgehalt. Die Nährstoff-gehalte werden zur besseren Vergleichbarkeit immer pro 100 Gramm oder 100 Milliliter des Lebensmittels angegeben. Darüber hinaus können Hersteller freiwillig entscheiden, ob sie auch Anga-ben zu Nährstoffen pro Portion machen wollen.

Die Europäische Union fordert dass die Nährstoffe grundsätzlich in einer festgelegten Tabellenform angegeben werden (siehe unten). Nur in Ausnahmefällen, d.h. wenn die Verpackung zu klein ist, dür-fen die Nährwerte auch durch eine fortlaufende Aufzählung ange-geben werden.

Freiwillige Angaben: GDA-Tabelle

Neben den Pflichtangaben in Form der Nährwerttabelle, können Lebensmittelhersteller freiwillig aufführen, wie viel Prozent der täg-lich empfohlenen Zufuhr an Kalorien, Fett, gesättigten Fetten, Salz und Zucker durch eine Portion des Lebensmittels aufgenommen werden. Dies nennt sich GDA Angabe (siehe unten). Viele Herstel-ler in Deutschland haben dieses Modell bereits auf freiwilliger Basis umgesetzt.

Brennwert

Verbesserte Allergenkennzeichnung

Viele Menschen in Europa leiden an einer Allergie. Aus diesem Grund sind die Hersteller von Lebensmitteln bereits seit Ende des Jahres 2005 verpflichtet, mögliche Allergieauslöser im Zutatenver-zeichnis aufzuführen. In Zukunft sollen diese allergenen Zutaten in Lebensmitteln zudem wesentlich deutlicher auf der Verpackung erkennbar sein. Hierfür sollen sie durch eine andere Schriftart oder durch eine andere Hintergrundfarbe deutlich hervorgehoben wer-den.

Ebenso neu ist die Regelung, dass Kunden auch bei loser Ware, Informationen über eingesetzte Allergene bekommen. So erhalten Kunden auch in Bäckereien, Metzgereien oder Restaurants Infor-mationen über allergene Inhaltsstoffe in den jeweiligen Lebensmit-teln. Wie dies im Detail umgesetzt werden soll, ist bisher jedoch noch unklar.

Herkunftskennzeichnung bei Frischfleisch

Auch bei der Kennzeichnung von Fleisch gibt es Neuigkeiten. Durch die neue LMIV sind die Hersteller von Frischfleisch verpflich-tet, die Herkunft des Fleisches auf der Verpackung anzugeben. Für Rindfleisch muss die Herkunft bereits seit dem Jahr 2000 gekenn-zeichnet werden. Durch die LMIV wird diese Kennzeichnung nun auch für Schweine-, Lamm-, Geflügel- und Ziegenfleisch umge-setzt. Ob darüber hinaus noch weitere Herkunftskennzeichnungen sinnvoll sind, wie z.B. von Milch und Milchprodukten oder Fleisch als Zutat, wird durch die Europäische Kommission noch untersucht.

Kennzeichnung von „Analogkäse“ und „Klebefleisch“

In Deutschland ist es erlaubt sogenannte Lebensmittelimitate zu verkaufen. Imitate sind Lebensmittel für dessen Herstellung andere Zutaten als erwartet verwendet werden, die dem Original jedoch zum Verwechseln ähnlich sehen. Zu den bekanntesten Imitaten zählen „Analogkäse“ und „Klebefleisch“.

Durch die LMIV müssen diese Lebensmittelimitate künftig deutlich gekennzeichnet werden, sodass der Kunde sofort erkennt, ob es sich bei dem Produkt um ein Imitat handelt. Damit der Verbraucher das Produkt nicht verwechselt, muss die ersatzweise verwendete Zutat neben dem Produktnamen deutlich zu lesen sein. Fleisch- oder Fischprodukte, die aus kleineren Stücken zusammengesetzt sind (sogenanntes Klebefleisch), müssen in Zukunft mit dem Hin-weis „aus Fleischstücken zusammengefügt“ bzw. „aus Fischstü-cken zusammengefügt“ versehen werden.

Übergangsfristen zur neuen Kennzeichnung

Da die rechtlichen Vorschriften für die Lebensmittelkennzeichnung sehr umfangreich sind, die Anfertigung neuer Verpackungen Zeit braucht und natürlich so wenig wie möglich weggeworfen werden soll, gibt es für die neue Kennzeichnung von Lebensmitteln in der EU Übergangsfristen. Diese betragen zwischen drei und fünf Jah-ren. Innerhalb dieser Übergangsfristen können alte Verpackungen noch aufgebraucht werden, sodass die vollständige Umstellung der Lebensmittelverpackungen mit den neuen Angaben noch etwas Zeit in Anspruch nimmt.

Tipp: Noch detailliertere Informationen über die neue LMIV erhalten Sie diese hier.