So werden Sie zum Weinkenner

Früher wurde Wein als Getränk der Götter verehrt und bis heute gehört Wein zu einem der beliebtesten alkoholischen Getränke. Dennoch bereitet der Einkauf oft Kopfzerbrechen. Das Etikett bietet zwar eine Fülle von Informationen, doch was versteht man unter „Qualitätswein“ oder „Kabinett“? Hier erfahren Sie, was die Angaben auf der Flasche über Qualität, Geschmack und Herkunft des Weines verraten.

Weinkategorien im Überblick

Innerhalb der EU wird grundsätzlich zwischen Weine ohne geschützte Herkunftsangabe und Weine mit geschützter Herkunftsangabe differenziert. In Deutschland ergibt sich daraus eine Unterteilung der Weine in vier Güteklassen: Dem einfachen „Wein“ oder „Deutschen Wein“ (Wein ohne geschützte Herkunftsangabe), dem „Landwein“ (Wein mit geschützter geografischer Angabe), dem „Qualitätswein“ und dem „Prädikatswein“ (Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung).

Günstiger Genuss: „Deutscher Wein“ oder „Wein aus der Europäischen Gemeinschaft“

Diese einfachen Weine ohne engere Herkunftsangabe entsprechend den früheren Tafelweinen und können aus einem Gemisch (Cuvée) von Weinen verschiedener deutscher oder europäischer Anbaugebiete bestehen. Es darf eine bestimmte Menge Zucker zum Traubensaft zugesetzt werden, um den Alkoholgehalt zu erhöhen. Auf dem Etikett darf neben der Bezeichnung „Wein“, „Deutscher Wein“ oder „Wein aus der Europäischen Gemeinschaft“ unter bestimmten Voraussetzungen nun auch Rebsorte und Jahrgang angegeben werden. Eine nähere Herkunftsbezeichnung wie bei Land- und Qualitätsweinen gibt es auf dem Etikett nicht.

Aus der Region: Landweine

Als „Landweine“ gelten regionaltypische Weine, die aus Weintrauben eines speziellen Gebietes stammen. Es gibt sie in den Geschmacksrichtungen „trocken“ oder „halbtrocken“. Der Most darf vor der Gärung mit Zucker angereichert werden. Mindestens 85 % der Weintrauben müssen aus dem genannten Gebiet stammen und der Wein muss dort hergestellt werden. In Deutschland gibt es 26 Landweingebiete, die auch auf dem Etikett angegeben werden, darunter zum Beispiel „Badischer Landwein“, „Landwein der Mosel“ oder „Sächsischer Landwein“.

Geprüft: Qualitätsweine

Als „Qualitätswein“ gekennzeichnete Weine müssen eine amtliche Prüfung durchlaufen und erhalten eine Prüfnummer. Dabei muss der Qualitätswein sowohl der chemischen als auch der sensorischen Qualitätsprüfung standhalten. Die Trauben müssen zu 100 % aus dem jeweiligen Anbaugebiet stammen, welches auch auf dem Etikett zu finden ist, z.B. Ahr, Württemberg, Rheinhessen, Baden oder Pfalz. Zudem müssen bei der Produktion weitere spezifische Bestimmungen eingehalten werden.

Je nach Rebsorte und Anbaugebiet müssen Qualitätsweine festgelegte Mindestmengen an natürlichem Alkohol aufweisen. Entsprechende Mindestmostgewichte sind jeweils vorgeschrieben. Eine gewisse Menge an Zucker darf vor der Gärung zugegeben werden, diese ist jedoch niedriger als bei einfachen Weinen und Landwein

Das Mindestmostgewicht wird auch als „natürlicher Mindestalkoholgehalt“ bezeichnet. Es ist der wichtigste Parameter zur Ermittlung des Reifegrades und damit ein wichtiger Faktor zur Festlegung des Lesezeitpunktes. Je höher das Mostgewicht, desto höher die Trauben-Qualität.

Zusätzlich zur Qualitätsstufe bzw. Weinkategorie findet sich oftmals auch die Rebsorte, also die Traubensorte, auf dem Etikett, z.B. Chardonnay, Riesling, Dornfelder, Pinot Noir oder Merlot. Dies darf nur angegeben werden, wenn die Rebsorte zu 85 % im Wein enthalten ist. Die Angabe zweier Rebsorten ist möglich, wenn der Wein zu 100 % aus diesen Rebsorten besteht. Die Rebsorte darf grundsätzlich bei allen drei Weinkategorien angegeben werden, jedoch gibt es je nach Weinkategorie Einschränkungen zu der Nutzung und Auslobung bestimmter Rebsorten.

Ausgezeichnet: Prädikatsweine

Prädikatsweine sind besonders hochwertige Qualitätsweine. Sie müssen den strengsten Anforderungen genügen. Ihnen darf kein Zucker zugesetzt werden. Die edlen Qualitätsweine werden in Deutschland mit sechs verschiedenen Prädikaten ausgezeichnet. Diese sind gestaffelt nach dem erforderlichen Mindestmostgewicht.

  • Kabinett

    Kabinett-Weine weisen das niedrigste Mindestmostgewicht unter den Prädikatsweinen auf. Hierbei handelt es sich um feine, leichte Weine aus reifen Trauben mit verhältnismäßig geringem Alkoholgehalt. Ein Kabinett-Wein kann trocken bis restsüß schmecken.

  • Spätlese

    So heißt die nächsthöhere Qualitätsstufe. Spätlese-Weine werden aus Trauben gewonnen, die nach Beendigung der Hauptlese geerntet werden und höhere Mindestmostgewichte erreichen. Diese feinfruchtigen und vollmundigen Weine sind meist süßer als die Kabinett-Weine.

  • Auslese

    Auslese-Weine sind sehr edle Weine aus vollreifen, oft von Edelfäule befallenen Trauben, bei denen alle unreifen Beeren entfernt wurden.

  • Beerenauslese

    Das Prädikat Beerenauslese erhalten natursüße Weine aus überreifen, edelfaulen Beeren. Traditionell werden die Beeren einzeln mit der Schere aus den Trauben geschnitten.

  • Eiswein

    ist eine besonders hochwertige, fruchtig süße Weinspezialität. Er wird aus gefrorenen Trauben hergestellt, die bei – 7 °C geerntet und gekeltert werden, bevor das Eis auftauen kann. Das in den Beeren enthaltene Wasser kristallisiert bei den Temperaturen größtenteils aus, sodass ein nur das Fruchtkonzentrat ausgepresst wird. Das Mostgewicht muss mindestens dem einer Beerenauslese entsprechen.

  • Trockenbeerenauslese

    ist die höchste Prädikatsstufe und erfordert das höchste Mindestmostgewicht. Gewonnen wird der besonders süße Wein aus einzeln ausgelesenen, schrumpelig getrockneten und teils edelfaulen Beeren, die einen hohen natürlichen Zuckergehalt aufweisen.

Weitere Qualitätsmerkmale

Seit 2000 bzw. 2002 finden sich auch die Begriffe Classic oder Selection auf manchen Weinetiketten. Dies sind zugelassene Bezeichnungen für deutsche Qualitätsweine, die nach speziellen Richtlinien hergestellt wurden. Diese Label werden vom deutschen Weininstitut für besonders hochwertige Weine vergeben.

  • Classic-Weine

    sind gehaltvolle, trockene Weine, deren Restzuckergehalt höchstens doppelt so hoch sein darf wie der Säuregehalt. Durch diese gute Relation von Zucker zu Säure passen die Classic-Weine zu fast allen Gerichten. Ihr Alkoholgehalt liegt immer ein Volumenprozent höher, als bei entsprechenden Qualitätsweinen erforderlich.

  • Selection-Weine

    sind besonders hochwertige, trockene Weine aus gebietstypischen Rebsorten, die von Hand gelesen werden. Die ausgewählten Standorte, der geringe Ertrag und die Handlese sorgen hier für die Premiumqualität. Verkauft werden dürfen die Weine erst ein Jahr nach der Ernte, damit eine ausreichende Reifezeit garantiert ist. Jeder Weinerzeuger muss seinen „Selection-Weinberg“ anmelden und kennzeichnen lassen.

Geschmacksrichtungen: süß oder trocken

Eine gute Hilfe bei der Weinauswahl bieten Informationen zur Geschmacksrichtung des Weines. Die Begriffe trocken, halbtrocken, lieblich und süß sind in Bezug auf den Restzuckergehalt genau definiert:

Geschmack Restzuckergehalt
trocken höchstens 9 g/l
halbtrocken höchstens 18 g/l
lieblich höchstens 45 g/l
süß mindestens 45 g/l

Das Etikett: Was draufstehen muss

Bestimmte Informationen müssen auf jedem Weinetikett zu finden sein, da sie vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind. Andere sind freiwillig:

Pflichtangaben Zulässige Angaben (unter bestimmten Voraussetzungen)
• Verkehrsbezeichnung (z.B.. Landwein, Qualitätswein) • Engere geografische Herkunft (nur Qualitäts- und Prädikatsweine), z.B. Württemberg oder Mittelrhein
• Herkunft/Anbaugebiet (sofern erforderlich) • Rebsorte (muss zu 85 % im Wein enthalten sein)
• Abfüller • Jahrgang (85 % des Weins muss aus dem Jahr stammen)
• Alkoholgehalt in Volumenprozent • Weinart (wie Perlwein, Rosé oder Weißwein)
• Füllmenge • Erzeuger
• amtliche Prüfnummer oder Loskennzeichnung • Prämierungen, Auszeichnungen
• Sulfite (sofern der Wein bei der Herstellung geschwefelt wurde) • Empfehlung zur Verwendung
• Behandlungsmittel auf Basis von Milch und Ei • Geschmacksangabe (trocken, halbtrocken, lieblich oder süß)