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Flexitarier, die Teilzeit-Vegetarier

Immer mehr Menschen verzichten auf den Verzehr von Fleisch. Neben Vegetariern und Veganern gibt es auch sogenannte Flexitarier, die oft etwas scherzhaft als Teilzeit-Vegetarier bezeichnet werden. Sie essen zwar Fleisch, aber dies nur selten. Zudem achten sie auf eine artgerechte Haltung der Tiere und kaufen daher gerne Bioqualität. Warum sie das tun, ob das sinnvoll ist und ob Flexitarier gesünder leben als herkömmliche Fleischesser, erläutern wir hier.

Unterschied zwischen Flexitariern, Vegetariern und Veganern 

Während Vegetarier kein Fleisch und keinen Fisch essen, lehnen Veganer sämtliche Produkte ab, die vom Tier stammen. Statt eines strikten Fleisch-Verzichts setzen Flexitarier auf einen gesunden Genuss von Fleisch. Sie essen Fleischmahlzeiten, jedoch selten und bewusst nach der Devise: Lieber selten ein hochwertiges und nachhaltig produziertes Stück Fleisch als Billigfleisch in großen Mengen. Der Begriff Flexitarier setzt sich zusammen aus den Begriffen „flexibel“ und „Vegetarier“.

Tipp: Mehr über vegetarische und vegane Ernährung, erfahren Sie in den Beiträgen „Vegetarismus - was ist das eigentlich?“ und „Vegane Ernährung – gesund oder gefährlich?"

Ursprung der Flexitarier-Bewegung

Die Bewegung für einen flexiblen Fleischverzicht kommt ursprünglich aus den USA. Angeblich hat die Gastronomin Helga Morath den Begriff Flexitarier bereits 1992 erfunden. Der Begriff war namensgebend für ihre Speisekarte, da sie in ihrem Restaurant sowohl vegetarische und vegane Gerichte angeboten hat, aber auch herkömmliche Fleischgerichte. In Deutschland ist der Begriff Flexitarier noch nicht ganz so geläufig. Dennoch gehören viele Menschen zu dieser Gruppe, meist ohne es zu wissen. Denn viele Menschen essen schon länger aus gesundheitlichen oder ökologischen Gründen wenig Fleisch und achten auf Bioqualität, oft schon bevor es die Bezeichnung Flexitarier überhaupt gab.

Warum Teilzeit-Vegetarier?

In Maßen kann Fleisch mit hochwertigen Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen durchaus zu einer gesunden Ernährung beitragen. Und den meisten Menschen schmeckt Fleisch einfach gut. Deshalb möchten Flexitarier nicht ganz auf Fleisch verzichten. Warum sie jedoch deutlich weniger davon essen, hat ähnliche Gründe wie bei Vegetariern und Veganern. Flexitarier möchten sich gesund ernähren, achten aber auch auf Nachhaltigkeit. Statt Massentierhaltung unterstützen sie eine artgerechte Aufzucht und Haltung der Tiere sowie einen ökologischen Anbau des Futters. Nachhaltige Produktion und kurze Transportwege sollen den CO2-Ausstoß verringern und Klima und Umwelt schützen.

Flexitarier voll im Trend

Flexitarier liegen voll im Trend, wie die DGE feststellt. Laut einer aktuellen Umfrage durch den Vegetarierbund Deutschland zählen rund 42 Mio. Deutsche zu den Teilzeit-Vegetariern. Damit gibt es in Deutschland mehr Flexitarier als Vegetarier. Definiert wurden Flexitarier bei dieser Umfrage als Personen, die mindestens dreimal pro Woche auf Fleisch verzichten.

Der Trend zu einem geringeren Fleischkonsum wird von den meisten Menschen und Organisationen durchaus positiv gesehen. Viele Veganer und Vegetarier finden jedoch, dass der Begriff Flexitarier nicht eindeutig definiert ist und viel zu häufig verwendet wird. Zudem sind sie der Ansicht, dass sich Flexitarier nicht klar genug von herkömmlichen Fleischessern unterscheiden.

Wie sinnvoll ist eine fleischarme Ernährung?

Jeder Deutsche isst im Schnitt rund 60 kg Fleisch im Jahr. Damit liegen wir deutlich über den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE. Nach DGE-Empfehlung reichen 300-600 Gramm Fleisch pro Woche vollkommen aus, um sich gesund zu ernähren. Zu viel Fleisch auf unserem Teller kann dagegen negativ auf die Gesundheit wirken. Tierische Fette lassen den Cholesterinspiegel steigen, fördern Gicht und sind ein Risikofaktor für Übergewicht und Herz-Kreislauferkrankungen. Weniger Fleisch zu essen, ist somit förderlich für unsere Gesundheit.

Vorteile für Klima, Tier- und Umweltschutz

Nicht nur die  Gesundheit profitiert von einem geringeren Fleischkonsum. Wer  weniger Fleisch isst, leistet auch einen Beitrag zu mehr Klimaschutz. Denn die Produktion von nur einem Kilogramm Rindfleisch verursacht alleine etwa 36 kg CO2. Dies entspricht der CO2-Produktion einer Autofahrt von gut 250 km. Zudem benötigt der weltweit sehr hohe Fleischkonsum immer mehr Anbauflächen für Futtermittel. Dies führt zur Abholzung von Regenwäldern und belastet die Böden mit Pestiziden.  In vielen Regionen steigen die Preise von Grundnahrungsmitteln, da weniger Anbauflächen für Nahrungsmittel zur Verfügung stehen.

Kompromiss zwischen Fleischeslust und Nachhaltigkeit

Jedes Stück Fleisch weniger bedeutet einen kleinen Beitrag zu mehr Gesundheit, Umwelt- und Tierschutz. Wer zudem das wenige konsumierte Fleisch in Bioqualität kauft, kann mit gutem Gewissen genießen. Denn bei der Bio-Produktion entsteht weniger CO2 und man trägt zu einer besseren Haltung der Tiere bei. Wer nicht ganz auf Fleisch verzichten, aber dennoch gesund und nachhaltig essen möchte, für den kann das Flexitarier-Modell eine gute Lösung bieten.

Tipp: Mehr zum Thema Klimaschutz lesen Sie im Beitrag.