Geschichte der Ernährung - Essen früher und heute

Essen

Wir haben heute viel höhere Erwartungen an unsere Nahrung als frühere Generationen. Das Essen soll nicht nur satt machen, sondern auch appetitlich aussehen, duften und schmecken. Zugleich erwarten wir, dass es unserer Gesundheit gut tut. Und nicht zuletzt sollen die Lebensmittel lange haltbar, einfach zuzubereiten und bezahlbar sein. Das erscheint uns heute selbstverständlich, war jedoch keineswegs immer so. In der Steinzeit und auch bei den ersten Bauern gab es nur ein sehr eingeschränktes Angebot an Nahrungsmitteln. Und noch im 15. Jahrhundert standen hauptsächlich Kohl, Milch, Getreide und wässrige Suppe mit etwas Schmalz oder Fleisch auf dem Speiseplan. Lesen Sie hier, was die Menschen zu welcher Zeit gegessen haben und wodurch die Veränderungen auf dem Speiseplan ausgelöst wurden.

Jäger und Sammler in der Steinzeit

In den Anfängen ernährten sich die Menschen in Europa lange Zeit hauptsächlich von rohen Pflanzenteilen, Wildgemüse und Obst. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass unser Körper Vitamin C nicht, wie bei anderen Säugetieren, selbst herstellen kann. Denn in den Früchten war Vitamin C ausreichend vorhanden, sodass die Fähigkeit, das Vitamin zu bilden nicht erforderlich war und vielleicht einfach verloren ging.

Vor ungefähr 1,5 Millionen Jahren begannen die Menschen zu jagen. Dadurch bereicherten größere Mengen an Fleisch das karge Nahrungsangebot. Getreide- oder Milchprodukte waren zu dieser Zeit noch nicht bekannt; diese kamen erst hinzu, als die Menschen sich zu sesshaften Bauern entwickelten.

Die ersten Bauern aßen eher einseitig

Trotz des Anbaus von Getreide und der Entwicklung von Milchprodukten war die Ernährung der ersten Bauern weniger vielseitig als die der Jäger und Sammler. Als Grundnahrungsmittel diente Brot, welches aus unterschiedlichen Getreidesorten gebacken wurde. Man reichte es zu fast allen Speisen und bei den Armen bildete es den Hauptbestandteil des Essens. Gekocht wurden Lebensmittel vorwiegend zusammen in einem Topf. Die Bauern mussten nicht mehr alles sofort verzehren, sondern konnten auch Nahrungsmittel für Winter- oder Notzeiten haltbar machen. Dafür wurden die Lebensmittel getrocknet, geräuchert oder eingesalzen. Zu trinken gab es neben Wasser hauptsächlich Wein, der jedoch überwiegend höher gestellten Personen und Mönchen vorbehalten war. Auch Bier wurde bereits gebraut. Die großen Gelage und Festessen, die für das Mittelalter so typisch zu sein scheinen, konnten sich jedoch nur Ritter und Adelige leisten.

Entdecker bringen neue Lebensmittel mit

Im 15. Jahrhundert begann das Zeitalter der Entdeckungen. Europäische Seefahrer fanden den Seeweg nach Indien und Amerika und brachten zahlreiche dort angebaute Pflanzen mit nach Europa. Darunter auch die Kartoffel, die hier jedoch zunächst nur als Zierpflanze Verwendung fand. Es zeigte sich jedoch, dass Kartoffeln überaus nahrhaft sind und sich auch auf kargen Böden anbauen lassen. So führten sie schließlich zu einer Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge und lösten das Brot in seiner Bedeutung als Grundnahrungsmittel ab. Auch Tomaten entwickelten sich zu einem wichtigen Bestandteil der Ernährung. Immer größerer Beliebtheit erfreuten sich zudem Genussmittel wie Kakao und Tabak, genauso wie Zucker, Kaffee und Zitrusfrüchte.

Hunger und neue Technologien prägen die Neuzeit

Im 18. Jahrhundert, zur Zeit der Industrialisierung, stiegen die Bevölkerungszahlen sprunghaft. Gleichzeitig wurden die Ressourcen knapp und die Lebenshaltungskosten zogen kräftig an. Fleisch wurde nur noch selten verzehrt, Hunger breitete sich aus. Um die Bevölkerung besser satt zu kriegen, wurde der Anbau robuster Getreidesorten vorangetrieben. So erhielten Mais, Reis und Kartoffeln neben Brot einen unverzichtbaren Platz auf dem Speisezettel.

Neue technologische Entwicklungen veränderten die Herstellung von Lebensmitteln im 19. Jahrhundert. Nun war es möglich, Lebensmittel luftdicht zu verpacken, sie zu kühlen und zu gefrieren. Durch die Erfindung der Dampfmaschine konnten Lebensmittel erstmals in größeren Mengen mit der Eisenbahn transportiert werden. Dennoch war die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt von den beiden Weltkriegen und damit von Hungersnöten und Lebensmittelknappheit.

Die moderne Ernährung: Essen im Überfluss

Heutzutage gibt es in Europa deutlich mehr Lebensmittel als wir benötigen. Hunger und Mangelernährung sind in diesem Teil der Welt praktisch kein Thema mehr. Durch das Überangebot an Nahrung haben wir dagegen mit Übergewicht und anderen Zivilisationskrankheiten zu kämpfen. Die moderne Lebensmittelindustrie versorgt uns mit vielfältigen und praktischen Lebensmitteln für jeden Bedarf. Diese werden jedoch meist intensiver verarbeitet als früher. Durch die heute zur Verfügung stehenden Konservierungs- und Transportmöglichkeiten können Lebensmittel über weite Strecken transportiert und oft das ganze Jahr über angeboten werden. Darüber hinaus lernen wir durch zunehmende Mobilität und neue Kommunikationstechniken Speisen anderer Länder kennen. Dadurch brechen traditionelle Essgewohnheiten mehr und mehr auf. Diese Vielfalt beschert uns heute viel Freude und Genuss. Wir müssen aber auch lernen, mit der Fülle verantwortungsvoll umzugehen.

Veränderung der Nährstoffaufnahme

So viel Prozent der aufgenommenen Energie stammt(e) aus

Lebensmittel FettZuckerStärkeProteinBallaststoffe (g/Tag)
Jäger/Sammler15 - 20050 - 7015 - 2040
Bauern10 -15560 - 7510 -1590
Heute 40+2025 - 301220