Vorsorge während der Schwangerschaft: die Nabelschnurpunktion

Die Vorfreude auf das eigene Kind steigt mit jeder Schwangerschaftswoche. Um Fehlbildungen oder schwere Erkrankungen des ungeborenen Kindes festzustellen, ist die Zweit-Trimester-Ultraschalluntersuchung für werdende Mütter besonders wichtig. Bei dieser Untersuchung geht der Arzt insbesondere Hinweisen auf die gesundheitliche Entwicklung des ungeborenen Babys nach. Dank modernster Technik sind die Ergebnisse der Ultraschalldiagnose heute sehr zuverlässig. Sollte sich bei dieser Ultraschalluntersuchung jedoch ein auffälliger Befund ergeben, der eine Erkrankung des Fötus nahelegt, wird der Arzt die weitere Vorgehensweise mit der schwangeren Frau oder den werdenden Eltern besprechen. Der heutige medizinische Stand ermöglicht in sogenannten invasiven Diagnosen Untersuchungen an dem ungeborenen Kind. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen mögliche Erkrankungen oder Behinderungen des Kindes auf und können somit Aufschluss über Risiken während der Schwangerschaft oder nach der Geburt bringen. Insgesamt gibt es drei Untersuchungen, die von einem Arzt durchgeführt werden können:

  • die Fruchtwasseruntersuchung
  • die Punktion des Mutterkuchens
  • die Nabelschnurpunktion

Alle drei Untersuchungen sind keine Routineuntersuchungen. Sie werden nur auf ausdrücklichen Wunsch der schwangeren Frau oder der werdenden Eltern durchgeführt. Unabdingbar ist eine ausführliche Beratung der Eltern durch den behandelnden Arzt. Dieser ist verpflichtet, die Vor- und Nachteile sowie die Risiken und Gefahren des Eingriffs zu erläutern. Die Nabelschnurpunktion ist eine Methode, die ab der 18. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden kann. Diese Behandlung kommt nur infrage, wenn es Auffälligkeiten im Blutbild der Mutter gibt, sich verdächtige Besonderheiten bei der Organdiagnostik des Ultraschallbildes gezeigt haben oder es einen anderen begründeten Anlass gibt, das Blutbild des Kindes zu analysieren. Die Nabelschnurpunktion wird aufgrund ihrer Risiken in vielen Fällen erst angewandt, wenn ein schnelles und genaues Ergebnis der Chromosomenuntersuchung notwendig ist, um mögliche Therapien anzusetzen. Bei einer medizinischen Notwendigkeit werden die Kosten der Untersuchung von den gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Was passiert während der Untersuchung? Welche Erkenntnisse werden gewonnen?

Bei der Nabelschnurpunktion wird dem Ungeborenen Blut aus der Nabelschnurvene entnommen. Eine örtliche Betäubung der Mutter ist zwar nicht notwendig, doch wird die Untersuchung nur unter stationärem Aufenthalt durchgeführt. Zuerst bestimmt der Arzt per Ultraschall die Lage des Kindes. Wichtig ist es, eine geeignete und gut zugängliche Stelle an der Nabelschnur zu finden. Dann wird der Schwangeren unter ständiger Kontrolle des Ultraschallbildes eine Nadel durch die Bauchdecke in die Nabelschnurvene geführt. Dort werden ein bis zwei Milliliter Blut entnommen. Anschließend ist eine absolute Bettruhe der Schwangeren notwendig. Das entnommene Blut wird in eine Kultur gegeben und in einem Labor untersucht. Es kann einige Tage dauern, bis die Ergebnisse der Blutuntersuchung vorliegen. Diese erlauben dem Arzt Aussagen über mögliche Chromosomenstörungen. Zudem können die Bluttests Aufschluss über einen Verdacht auf Infektionen wie Röteln oder Toxoplasmose geben. Eine mögliche Blutarmut oder Blutunverträglichkeiten sowie eine Stoffwechselstörung können ebenfalls diagnostiziert werden. Die Nabelschnurpunktion dient nicht nur der Diagnostik, sondern kann auch therapeutische Gründe haben. So können die Ärzte bei einer bestehenden Blutarmut des Fötus Bluttransfusionen verabreichen. Ebenfalls ist die Behandlung weiterer Blutkrankheiten, wie der Mangel an Blutplättchen oder weißen Blutkörperchen, möglich. Sollten Herzrhythmusstörungen oder Ähnliches festgestellt werden, können die Ärzte Medikamente verordnen. Allerdings ist eine Therapie oder Heilung bei einer vorliegenden Chromosomenstörung nicht möglich. Bei diesem Befund folgen weitere Beratungsgespräche mit dem behandelnden Arzt, falls die werdenden Eltern oder die schwangere Frau diese wünscht. Hier kann der Arzt Adressen und Ansprechpartner benennen, die Hilfestellungen anbieten, um mit den körperlichen oder geistigen Besonderheiten des Kindes nach der Geburt umgehen zu können. Der behandelnde Arzt kann aber auch, wenn gewünscht, über Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruchs aufklären.

Nach der Untersuchung: Risiken und Erwägungen

Grundsätzlich zählt die Nabelschnurpunktion zu den riskanteren Behandlungen der invasiven Diagnostik. Statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt nach einer Nabelschnurpunktion bei ca. 1,2 Prozent. Schwangere Frauen oder werdende Eltern sollten genaue Erkundigungen nach der Erfahrung des behandelnden Arztes einholen. Denn insbesondere die Erfahrung des Arztes sowie der körperliche Gesundheitszustand der werdenden Mutter sind entscheidende Faktoren zur Minimierung des Risikos. So hilft die Erfahrung des Arztes, das Verletzungsrisiko für das ungeborene Kind so gering wie möglich zu halten. Ein guter körperlicher Gesundheitszustand der Schwangeren mindert die Wahrscheinlichkeit, dass Gebärmutterkontraktionen auftreten oder trägt dazu bei, dass diese schnell wieder vergehen. Schon die Beratung vor der Untersuchung zeigt verunsicherten Frauen und Paaren, wie kompetent und einfühlsam der Arzt ist. Eine verständliche und ausführliche Erläuterung und Erklärung der Behandlung sowie ausreichend Zeit für Fragen und Ängste weisen auf Kompetenz hin und schaffen Vertrauen. Denn je nach Befund ist auch die weitere medizinische und psychologische Beratung durch den behandelnden Arzt unersetzlich. Gute Ratgeber bei der Notwendigkeit einer medizinischen Versorgung des ungeborenen Kindes sind weitere Ärzte, die kontaktiert werden können, aber auch die Beratungsstellen der Krankenkassen. In keinem Fall sollte die Entscheidung je nach Befund überstürzt von den werdenden Eltern getroffen werden. Gespräche mit Selbsthilfegruppen oder auch in Beratungsstellen helfen, eine persönliche Entscheidung zu treffen, wenn beispielsweise eine Chromosomenstörung vorliegt. So können auch alternative Lebensmodelle geplant werden.