Vaterrolle: Was sich für Männer nach der Geburt ändert

Vaterrolle - Männer nach der Geburt

Es gab Zeiten, da waren die Rollen in einer Familie klar verteilt. Während die Mutter zu Hause blieb und sich um den Haushalt und die Kindererziehung kümmerte, brachte der Vater das Geld nach Hause. Mehr und mehr hat sich diese traditionelle Vaterrolle in den vergangenen Jahrzehnten jedoch geändert. Heute definiert jeder Mann seine Vaterrolle individuell. Neben dem „klassischen“ Vater gibt es heute auch Männer, die für sich eine ganz neue Vaterrolle entdeckt haben und für die es selbstverständlich ist, im Haushalt mit anzupacken, das Kind in den Kindergarten zu bringen oder ein paar Monate Elternzeit zu nehmen. Unabhängig davon, wie die Vaterrolle letztlich ausgestaltet wird, sollten Männer dies rechtzeitig vor der Geburt des Nachwuchses mit ihrer Partnerin besprechen.

Ein Feld, auf dem sich die neue Vaterrolle ganz besonders deutlich zeigt, ist die Geburtsvorbereitung und die Geburt selbst. Beides war vor einigen Jahrzehnten noch ausschließlich Frauensache und Männer waren im Kreißsaal ausdrücklich nicht zugelassen. Heute haben sich die Vorstellungen völlig umgekehrt, sodass Männer sich meist dafür rechtfertigen müssen, wenn sie bei der Geburt ihres Kindes nicht dabei sind. Und auch die Geburtsvorbereitung ist längst schon keine reine Frauensache mehr, auch wenn viele Männer die sogenannten „Hechelkurse“ oft als etwas kurios empfinden und deren Sinnhaftigkeit anzweifeln. Während der Geburt zeigt sich dann aber in aller Regel, dass nicht nur die Frauen von den Übungen aus dem Geburtsvorbereitungskurs profitieren, sondern eben auch die Männer. Die sind nach einem solchen Kurs ebenso gut auf die Geburt vorbereitet und wissen, zumindest theoretisch, was sie erwartet. So können sie sich dann ganz auf ihre Unterstützerrolle konzentrieren und verfallen nicht in Angst oder Hilflosigkeit, weil sie ihrer Partnerin nicht helfen können. Ein ruhiger Partner an ihrer Seite kommt wiederum den Frauen während der Geburt sehr zugute.

Vaterrolle: Eine frühe Bindung ist wichtig

Noch vor einigen Jahrzehnten galt die Meinung, dass die Mutter für einen Säugling die einzig wichtige Bezugsperson sei. Dem Vater wurde nur eine Nebenrolle zugewiesen. Doch auch dies hat sich heute geändert. Die Vaterrolle wird bereits ab der Geburt ebenso ernst genommen. Um ihrer Vaterrolle gerecht werden zu können, sollten Väter schon von Beginn an eine enge Bindung zu ihrem Kind aufbauen. In vielen Städten gibt es dafür spezielle Vorbereitungskurse für Männer, in denen sie auf ihre neue Vaterrolle vorbereitet werden. Hier lernen die angehenden Väter unter anderem, welche Bedürfnisse ein neugeborenes Baby hat oder wie sie mit sanften Berührungen Kontakt zu ihrem Kind aufnehmen können.

Auch die Partnerschaft verändert sich

Dass die Vaterrolle mitunter gar nicht so einfach auszufüllen ist, merken Männer nicht nur in der Beziehung zu ihrem Kind. Wenn ein Baby in eine Familie kommt, dann verändert sich auch die Partnerschaft. So fühlen sich manche Frauen unmittelbar nach der Geburt bei aller Freude über das Kind etwas isoliert und wünschen sich viel Unterstützung vom Partner. Der soll dann nicht nur seiner Vaterrolle gerecht werden, sondern sich gleichzeitig intensiv um seine Partnerin kümmern. Ein schwieriger Spagat, zumal sich viele Männer in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt oft überflüssig fühlen, weil sich die junge Mutter vermeintlich ausschließlich um das Kind kümmert und den Partner kaum beachtet. Ebenfalls nicht ganz einfach ist es für viele Männer, mit den Erwartungen umzugehen, die sie mit der neuen Vaterrolle an sich selbst stellen. Trotz der Auflösung traditioneller Vaterrollen empfinden Männer nach der Geburt eines Kindes oft die große Last, für die Familie sorgen zu wollen. Dies wird oft durch ein Mehr an Arbeit kompensiert, was dann wiederum zu Spannungen in der Partnerschaft führen kann. Um also Vaterrolle und Partnerschaft gleichermaßen gerecht zu werden, sollten Väter zunächst für sich selbst klären, was sie erwarten und dies auch mit ihrer Partnerin besprechen. So kann das Familienleben mit Nachwuchs harmonisch gestaltet werden. Bei allen Glücksgefühlen über das neugeborene Baby sollten Paare nämlich nicht nur vollständig in ihrer Elternrolle aufgehen, sondern immer auch daran denken, dass neben der Elternschaft auch die Partnerschaft existiert und gepflegt werden muss.