Rollenverteilung Geschwister: Was sollte man bei der Erziehung beachten?

Rollenverteilung Geschwister

Ein eigenes Kind ist die Krönung einer Liebe - so sagt man im Volksmund noch bis heute. Allerdings bleibt es oft nicht bei einem Kind, denn viele wünschen sich eine große Familie. Auch wenn die Geburtenrate in den vergangenen Jahren gesunken ist, sind Familien mit drei oder mehr Kindern keine Seltenheit. Gerade Eltern, die selbst mit Geschwistern aufgewachsen sind, wünschen sich dies für ihre Kinder. Die Kleinen haben so immer jemanden zum Spielen an der Seite, sind nie allein und können gemeinsam mit ihren Geschwistern durchs Leben gehen. Ganz so harmonisch läuft es jedoch nicht immer ab: Geschwister streiten sich und nur allzu häufig ist der eine neidisch auf den anderen. „Mein Bruder darf immer alles“ oder „Warum darf ich das noch nicht machen“ heißt es dann das eine oder andere Mal - und die Eltern müssen als Vermittler auftreten. Insbesondere die Rollenverteilung unter Geschwistern spielt für die Erziehung und die individuelle Entwicklung eine ganz entscheidende Rolle. Das klassische Muster der Rollenverteilung ergibt sich bei einer Familie mit drei Kindern: Erstgeborenes, Sandwich-Kind und Nesthäkchen.

Je nachdem, wann ein Kind in die Familie gekommen ist, fällt ihm ein bestimmter Rang zu, aus dem es sich nur schwer selbst befreien kann. Eines gleich vorweg: Die Rollenverteilung bei Geschwistern ist bis zu einem gewissen Grad vollkommen normal und lässt sich nicht vermeiden. Kinder suchen sich untereinander selbst ihre Rolle und empfinden dies meistens nicht als Problem. Konfliktpotenzial ergibt sich erst, wenn Kinder auf ihre Rollen begrenzt und entsprechend behandelt werden. Für Eltern, Verwandte und Freunde gibt es deshalb ein paar Dinge zu beachten, damit die Rollenverteilung unter Geschwistern nicht zum Problem wird.

Rollenverteilung Geschwister: Erstgeborenen keinen Druck machen

Die meisten Eltern erziehen ihre Kinder nicht bewusst nach einem festen Rollenmuster. Viel eher sind es unbewusste Abläufe und Sätze, die sich in den Alltag und den Umgang mit den Kindern einschleichen: „Du bist doch jetzt hier der Große, also mach das nicht“ oder „Lass das lieber die Großen machen.“ Hinter diesen Aussagen steckt zwar keine böse Absicht, dennoch können sie dazu beitragen, ein Kind in eine bestimmte Rolle zu drängen. Allem voran zwischen Brüdern und Schwestern oder bei einem größeren Altersunterschied unter Geschwistern besteht ein Konfliktpotenzial. Ein gutes Beispiel dafür ist die Rolle des Erstgeborenen in der Familie: Die Kinder bekommen anfangs sehr viel Aufmerksamkeit und Zuwendung, schließlich ist das erste Kind etwas ganz Besonderes. Wenn aber weitere Familienmitglieder hinzukommen, entsteht zwangsläufig die Rollenverteilung unter Geschwistern. Erstgeborene oder „Stammhalter“ verspüren häufig einen hohen Erwartungsdruck und möchten sich gegenüber den Geschwistern auszeichnen. Sie sind es, die jetzt von allen als die "Großen" angesehen werden und sich dementsprechend verhalten sollen. Werden sie zu sehr in diese Rolle gedrängt, reagieren sie entweder mit Ablehnung oder Übertreibung auf die neue Rolle.

Ablehnung kann sich beispielsweise dadurch ausdrücken, dass die Kinder wieder am Daumen lutschen, oftmals weinen und mit ihren Geschwistern streiten. Sie zeigen so, dass sie selbst wieder klein sein möchten und fordern von den Eltern dieselbe Zuwendung ein, die den kleineren Kindern zukommt. Sie sollten deshalb versuchen, auf das älteste Kind keinen Druck auszuüben und es nicht zu überfordern. Im schlimmsten Fall übertreiben es Kinder anschließend und versuchen, sich mit aller Macht gegenüber den Kleineren zu behaupten. Damit die Rollenverteilung unter Geschwistern nicht zum Problem wird, können Sie dem ältesten Kind zum Beispiel eine Freude machen, wenn es länger aufbleiben darf als die Geschwister. So zeigen Sie ihm, dass die Rolle des Erstgeborenen auch einige Vorteile hat.

Rollenverteilung Geschwister: Sandwich-Kinder und Nesthäkchen

Viele Eltern machen sich nur sehr wenig Gedanken um die Rollenverteilung unter Geschwistern. Dies geschieht nicht aus böser Absicht, sondern sie glauben einfach, dass sie jedes Kind gleichbehandeln und gleich erziehen. Selbst wenn dies der Fall sein sollte, würde es dennoch Rollenkonflikte geben - denn Kinder suchen sich ihren Platz unter den Geschwistern selbst aus. Die Rolle des Erstgeborenen ist dabei ebenso bekannt wie die des Nesthäkchens. Das kleinste Geschwisterkind bekommt in der Regel sehr viel Aufmerksamkeit und Zuwendung. Es wird bei Streitigkeiten vor den Großen beschützt und bekommt häufig Recht. Zwar meinen Eltern es nur gut, wenn sie die Kleinen beschützen, aber diese können sich so sehr schnell bevormundet fühlen. Sie gewinnen den Eindruck, dass sie sich nicht allein zur Wehr setzen können - und sind so nicht in der Lage, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen auszubilden. Dies hat zur Folge, dass Nesthäkchen später oft schüchtern und zurückhaltend sind. Bei Streitigkeiten unter Geschwistern sollten Sie sich daher nicht immer einmischen, da die Kinder dies oft unter sich regeln und sich selbst zu helfen wissen.

Etwas verloren fühlen sich hingegen oft die sogenannten Sandwich-Kinder: Bevor das neue Geschwisterchen geboren wurde, waren sie die Kleinen - und nun wird ihnen dieser Platz quasi weggenommen. Dies kann zu einer Krise führen, denn die eingespielte Rollenverteilung unter Geschwistern gerät zunächst völlig aus dem Gleichgewicht. Sandwich-Kinder suchen meistens nach einer neuen Form von Halt: Entweder wenden sie sich stark den Eltern zu oder sie „verbünden“ sich mit dem großen Bruder oder der großen Schwester gegen das neue Familienmitglied. Bei Sandwich-Kindern kommt es darauf an, sich intensiv mit ihnen zu beschäftigen. Zeigen Sie ihnen, dass die neue Rolle auch Vorteile hat und lassen sie es beispielsweise beim Wickeln des kleinen Kindes helfen. Dadurch, dass sich mittlere Kinder neu beweisen müssen, gelten sie im späteren Leben als kontaktfreudig, schließen schnell Freundschaften und haben einen guten Sinn für Teamgeist. Aus diesem Grund ist es für Eltern ratsam, um die Rollenverteilung unter Geschwistern zu wissen, die Kinder aber nicht bewusst in eine Rolle zu drängen. Auch wenn es sich simpel anhört: Bemühen Sie sich darum, alle Kinder gleichzubehandeln und keinen Druck auf die älteren Geschwister auszuüben. Kinder suchen sich untereinander meistens selbst ihren Platz und haben in diesem Falle mit ihrer individuellen Rolle keine Probleme.