Taufpate: ein Amt mit großer Verantwortung

Pickel auf der Babyhaut

„Mit-Vater“ – das ist die wörtliche Übersetzung des Wortes „Pate“, das vom lateinischen Begriff „pater spiritualis“ abgeleitet ist. Für Familien bekommt dieses Ehrenamt der christlichen Kirchen Bedeutung, wenn ein Kind getauft werden soll. Doch wer eignet sich überhaupt für das Amt des Taufpaten und welche Erwartungen beziehungsweise Bedingungen sind daran geknüpft?

Die geschichtliche Bedeutung des Paten

Das Amt des Taufpaten ist bereits Jahrhunderte alt und vereint verschiedene Vorstellungen in sich. Der ursprüngliche Gedanke des Patenamtes war, dass der Pate Zeuge der Spendung des Taufsakramentes ist und auf dem weiteren Lebensweg die religiöse Entwicklung des Täuflings begleitet. Aus diesem Grund wird der Name des Paten auch im Kirchenbuch der Taufgemeinde vermerkt. Allerdings ist dieser Aspekt des Patenamtes in vielen Familien heute in den Hintergrund getreten. Hinter dem Amt des Taufpaten steht darüber hinaus auch der Gedanke, die Eltern bei der Erziehung ihres Kindes ethisch und moralisch zu unterstützen und für das Kind eine weitere enge Bezugsperson zu schaffen, an die es sich bei Problemen oder Schwierigkeiten wenden kann. In früheren Zeiten kam den Taufpaten zudem die besondere Aufgabe zu, sich beim Tod eines oder beider Elternteile um das Kind zu kümmern. Auch diese Verpflichtung besteht heute zivilrechtlich nicht mehr. Trotzdem verbinden viele Eltern mit der Wahl eines Paten den Wunsch, dass sich der Pate um das Kind kümmert, falls dies den Eltern nicht mehr möglich sein sollte.

Was erwarten Kinder und Eltern von einem Taufpaten?

Die Vorstellungen darüber, wie das Patenamt ausgefüllt werden soll, gehen weit auseinander. So gibt es Eltern, die vom Taufpaten ihres Kindes zu Festtagen wie Weihnachten oder Geburtstag ein großes Geschenk erwarten. Es gibt aber auch Eltern, für die dieser Aspekt unwichtig ist und denen es eher um die moralische Unterstützung bei der Erziehung ihres Kindes geht. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollten Eltern deshalb vorher mit den potenziellen Taufpaten über ihre Erwartungen und Wünsche sprechen. Auch der vorgesehene Taufpate kann in einem solchen Gespräch äußern, wie er sein Patenamt versteht und ausfüllen will. So können sich alle Beteiligten bereits im Vorfeld darüber klar werden, ob die entsprechenden Vorstellungen zueinanderpassen. Mittlerweile ist es in vielen Familien zudem üblich, die Erwartungen und Wünsche an die jeweils andere Seite schriftlich festzuhalten und während der Taufe laut vorzulesen. Der Pate signalisiert damit, dass er das Patenamt mit all seinen Rechten und Pflichten ganz bewusst übernimmt. Die Eltern zeigen hingegen, dass sie sich sehr genaue Gedanken darüber gemacht haben, wer dieses verantwortungsvolle Amt am besten ausfüllen kann. Wie das Patenamt letztendlich auch ausgefüllt wird, die meisten Eltern sind sich darüber einig, dass der Taufpate eine wichtige Rolle im Leben des Kindes spielen soll, wie es der Ursprungsgedanke des Patenamtes ja auch tatsächlich vorsieht.

Wer kommt als Taufpate infrage – kirchliche Voraussetzungen

In allen christlichen Konfessionen müssen Taufpaten bestimmte formale Kriterien erfüllen, um das Patenamt ausüben zu können.

  1. mindestens einer der Paten einer christlichen Kirche angehört. Ist dies nicht der Fall, ist die Übernahme eines Patenamtes nicht möglich. Für diesen Fall sind sogenannte „Taufzeugen“ vorgesehen. In der katholischen Kirche muss einer der Paten zudem mindestens 16 Jahre alt und selbst getauft und gefirmt sein. 
  2. Vom Patenamt ausgeschlossen sind die Eltern des Kindes sowie Personen, die mit einer Kirchenstrafe belegt sind, da beides dem Ursprungsgedanken des Amtes zuwiderliefe. 
  3. In der evangelischen Kirche können Personen das Patenamt ab einem Alter von 14 Jahren ausüben. Sie sollten außerdem selbst konfirmiert sein. Bei den Evangelen endet das Patenamt formal mit der Konfirmation des Kindes, in der katholischen Kirche bleibt die Patenschaft ein Leben lang bestehen.

Wer eignet sich am besten für das Patenamt?

Taufpaten können aus der Familie oder dem Freundeskreis der Täuflingseltern stammen. Übernehmen Verwandte, wie beispielsweise Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins oder Cousinen das Patenamt, so kann man davon ausgehen, dass sie mit der Familie vertraut sind und daher bei schwierigen Situationen vermittelnd eingreifen können. Andererseits kann genau diese große Nähe und Vertrautheit Diskussionen aber auch erschweren und sogar unmöglich machen.
Aus dieser Perspektive ist es mitunter besser, wenn der Taufpate von außerhalb der Familie kommt, es sich also beispielsweise um einen alten Schulfreund der Eltern handelt. In diesem Falle kann er in schwierigen Situationen ebenfalls vermitteln, ist aber nicht zu eng in die Familienstruktur eingebunden. Wichtig ist jedoch in jedem Fall, dass der Taufpate eine gute persönliche Beziehung zu seinem Schützling aufbauen kann und sich auch mit den Eltern des Kindes gut versteht. So ist ein vertrauensvolles Verhältnis auch in schwierigen Lebensabschnitten gegeben.
Bei der Wahl des richtigen Paten sollten also im Zweifelsfall nachgeordnete Detailfragen keine allzu große Rolle spielen. So ist es nicht wichtig, ob der potenzielle Pate selbst Kinder hat oder wie weit entfernt er vom Wohnort der Familie wohnt. Stattdessen sollten sich die Eltern fragen, wem sie ein solch verantwortungsvolles Amt am ehesten auf eine lange Zeit zum Wohle des Kindes anvertrauen würden.